DIE LESE 2026
Erstes Kapitel beendet.
Montag, 14.09.2026 | Rust, Burgenland
Liebe Weinfreundinnen & Weinfreunde,
Die Handlese ist mittlerweile selten geworden. Wir sind dankbar, immer wieder Helfer für diese schöne, durchaus kräfteraubende Arbeit an der Seite zu haben. Ein Team zu formen, das während der Weinlese seinen eigenen Rhythmus findet. Was für eine Freude die verschiedenen Geschichten zu erfahren. Woher kommst du? Welche Arbeit, welches Studium machst du? Wie kocht ihr euer Gulyás daheim in Ungarn? Fast wehmütig trinken wir dann am letzten Lesetag ein gemeinsames Bier, gehen auseinander und hoffen auf ein Wiedersehen im nächsten Jahr.

Nach zehn intensiven Lesetagen sind nun alle weißen und roten Trauben für unsere trockenen Weine im Keller. Einige Weingärten haben wir für Süßweine hängen gelassen, fest mit Netzen eingepackt. Jetzt dürfen die morgendlichen Nebel, hin und wieder Regen, der Wind, die Sonne und der Pilz Botrytis Cinerea ihr Werk vollbringen und die Trauben zu Rosinen schrumpfen lassen. Erst dann liegt es wieder an uns, dieses Geschenk in süßes Gold zu verwandeln.
Der Gesamtertrag liegt zwar etwas unter dem langjährigen Durchschnitt, qualitativ stimmt uns der Jahrgang jedoch sehr fröhlich. Dass unsere Reben die Trockenheit des Jahres so gut gemeistert haben, führen wir auf mehrere Faktoren zurück: viele Schritte intensiver Handarbeit im Weingarten, eine natürliche Begrünung zwischen den Rebzeilen und den hohen Anteil älterer Rebanlagen.
Gerade in einem Jahr wie 2026 zeigt sich, wie wertvoll alte Reben sind. Viele unserer Weingärten wurden bereits in den 1990er-Jahren oder noch früher gepflanzt. Mit tief reichenden Wurzeln erschließen sie Wasserreserven aus tieferen Bodenschichten und reagieren auf Trockenstress deutlich gelassener als junge Anlagen. Zusammen mit einer lebendigen Begrünung, die den Boden beschattet, Humus aufbaut und Wasser besser speichert, entsteht so eine wichtige Grundlage für die Qualität des Jahrgangs.
Im Keller blubbert und gärt es. Ein guter Sound und auch die Vibes stimmen. Während der Kellerarbeiten hat man so immer das Gefühl von lebendigen Wesen umgeben zu sein.




FAKTENCHECK
Vom ersten Weißburgunder bis zum letzten Blaufränkisch für den trockenen Ausbau.
Noch nie zuvor haben wir so früh mit den ersten Burgundersorten und Muskateller begonnen. 17.08.2026
Mit jeweils etwa 350 kg Trauben gefüllt – das ergibt rund 50 Tonnen Lesegut für unsere trockenen Weine.
Gefüllt, getragen, geleert und manchmal auch etwas zu enthusiastisch ausgeschüttet.
Regen war heuer Mangelware – die Beeren sind klein und voller Aroma.
Sie schützt den Boden, fördert das Bodenleben und hilft Wasser zu speichern.
Von Rust in Richtung Oggau und Mörbisch und wieder retour.
Eingenetzt, zu großen Süßweinträumen unterwegs.
Ohne Netze ein gefundenes Fressen, die wundervollen Trauben.
Morgens, mittags, abends - und trotzdem nie genug.

Ein Jahrgang entsteht niemals allein. Viele helfende Hände, neue Perspektiven und Menschen, die für einige Wochen Teil unseres Alltags werden, prägen diese besondere Zeit genauso wie die Trauben selbst.
Eine davon ist Miriam. Unsere Praktikantin aus Rust begleitet uns heuer für 3 Monate. Sie war auch bei der Weinlese dabei und lernt den Betrieb von allen Seiten kennen. Nach Simone Jordan aus dem Pulkautal und Barbara Halbwachs aus Kleinhöflein ist Miriam unsere dritte Praktikantin. Was sie wohl mitnimmt für ihre Zukunft in ihrem Familienbetrieb Haberhauer? Heidi hat sich mit ihr auf ein kurzes Gespräch zusammengesetzt:
1. Wie bist du zum Weinbau gekommen?
„Ich bin im Weinbaubetrieb meiner Familie aufgewachsen.“
2. Was macht dir mehr Freude: Weingarten oder Keller?
„Weingarten“
3. Was war deine herausforderndste Aufgabe?
„Die Umgewöhnung an den Arbeitsalltag.“
4. Was hast du bei uns gelernt, das du in der Schule nicht lernst?
„In der Schule lernen wir zwar Theorie und haben auch Praxisunterricht, aber hier habe ich erlebt, wie alles in einem echten Weinbaubetrieb tat-sächlich umgesetzt wird.“
Und zum Schluss: Miri, du lernst Koreanisch.
Was heißt „Prost“ auf Koreanisch?
„Prost“ auf Koreanisch heißt „geonbae“ – „건배”
Wenn unser Wein morgen nach Korea exportiert würde: Was wäre dein Inhalt als unsere koreanische Weinbotschafterin?
„Korea und Österreich haben beide eine starke Ess- und Trinkkultur mit vielen Traditionen. In Korea gehören zu bestimmten Gerichten oft traditionelle Getränke wie Soju oder Makgeolli. Ich glaube, dass sich auch österreichischer Wein sehr gut mit koreanischen Gerichten verbinden lässt und würde gerne beide Kulturen zusammenbringen, um den Menschen in Korea österreichischen Wein auf diese Weise näherzubringen.“


NOCH EINMAL INS GLAS: NAT'COOL WELSCHRIESLING

Für uns ist Nat'Cool ein Wein für den Küchentisch. Einer, der nach herzerwärmenden Gerichten verlangt. Deshalb schenken wir euch heute ein Rezept, welches in Rust schon immer gerne gekocht und gegessen wurde:
Oma Emmas Bohnenstrudel
Emma Schlögl, Rusterin & Oma unseres Mitarbeiters Peter Schindler, verwöhnte uns während der Weinlese mit einem Blech dieses köstlichen Bohnenstrudels. Warm oder kalt, mit einem Tupfer Schnittlauchrahm oder ohne - einfach und gut.
Das Rezept:
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1x Bio Strudelteig
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500g weisse Bio Bohnen
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1x Becher Bio Sauerrahm
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150g Bio Brösel
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Salz, Pfeffer & Majoran (Empfehlung: Safranoleum)
Die Brösel anrösten und gekochte, abgeseihte Bohnen dazugeben.
Mit Salz, Pfeffer, (burgenländischen) Majoran würzen, abschmecken und gemeinsam mit dem Sauerrahm auf dem Strudelteig verteilen, danach einrollen.
Bei 180 Grad ca. 20 Minuten goldbraun backen, anrichten und servieren.
Mahlzeit!
Ein Glas Nat'Cool dazu, gute Gesellschaft am Tisch und der Moment wird unvergesslich.



